Ich lese einiges, bekomme viel über die verschiedenen klassischen und sozialen Medien mit, da mir Social Distancing eine noch nie dagewesene Entschleunigung bringt. Sie wirft mich zurück auf das was ist, das, was ohne das gewohnte Zeitkontinuum von Arbeit und Freizeit möglich wird und ich in vielen Meditationen angestrebt habe.

So sitze ich lauschend und spürend, suchend, hoffend, freud- und genussvoll, dankenswerterweise gesund, auch genervt und verschiedene Eigenschaften enttarnend – und das sind allein ausgewählte Beschreibungen – in meinem zuhause.

Gleichzeitig bekomme ich wenig von dem mit, was da draußen, wirklich ‚wirklich‘ abläuft. Dort in dem globalen Dorf, in der Hektik zwischen Leben und Tod, zwischen Schmerz und Angst, zwischen Resignation und Gewalt. All das mag passieren, wird so sein - und, ist das ungewöhnlich in der Geschichte der Menschheit? Nein, doch wir, die Babyboomer und die Generationen danach kennen in dieser Republik, in diesem westlichen Europa zumeist nur Frieden, Freude, Eierkuchen.

Herausforderungen wurden weggekauft, abgelenkt, eventisiert, wegdiskutiert und wegrationalisiert. Manche standen auch auf und entwickelten weitere retroromantische Perspektiven und schaffen auch heute gesellschaftsromantische Szenarien, die dann nach Corona schon eintreten werden. Gleichzeitig zucken dogmatisch radikalen Gruppen die rechte Hand oder andere holen die roten Tücher heraus, um alten Ideologien neue Formen zu geben. Welch simple Einfallslosigkeit!

O.k., jetzt komme ich daher und hole „die Würde des Menschen“ heraus. Auch hier fühle ich mich schon in eine Schublade gesteckt, als ein Gutmensch, der allein darauf aus ist alle Menschen gleich machen zu wollen. Als ein Mensch, der den Reichen nehmen, die Rechten zurückhalten und den Linken durch die neoliberale Erfolgsstory Einhalt zu gebieten, unterstellt werden könnte. Nein, weit gefehlt, darum kann es nicht gehen, das möchte ich nicht. Oder vielleicht doch?

Nein, sich mit seiner „Würde“ zu beschäftigen, erscheint mir gerade jetzt wichtiger denn je als Prozess Bewusstsein zu schaffen, das kleine Zeitfenster möglicher gestärkter Sorge und Bewusstheit zu nutzen, um sich selbst neu auszurichten. Sich selbst mal wieder eine Zeit zu verschaffen sich zu positionieren, sich nicht als Lemming der Medien zu fühlen, nicht abzuwerten, sondern wertzuschätzen, nicht abzugrenzen, sondern einzubinden, nicht auszuschließen, sondern zu integrieren, nicht ängstlich auf andere zu warten, sondern selbst aktiv zu werden, nicht gewohnt zu agieren, sondern den neuen Herausforderungen offen zu begegnen.

All dies ist leichter gesagt als getan, das weiß ich selbst gerade nur zu gut. Doch haben wir eine andere Chance als uns mit einem übergreifenden, verlässlichen Wert zu beschäftigen, der uns Halt zu geben vermag? Besonders dann, wenn uns die Beschäftigung mit den Kindern überlastet, Netflix oder Mediatheken auch immer nur das Gleiche in anderem Gewand vermitteln, die Nachrichten nur ein Thema kennen und auch den Gesprächen mit Freunden über Zoom oder Skype die Dimensionen von Nähe fehlen oder die Meditation den Affen im Kopf nicht zu verhindern weiß. Sogar die Gespräche mit Frau, Mann, Partner oder Partnerin erschöpfen sich und auch die Bücher oder E-Books lassen an Spannung nach. Die Fenster sind geputzt, der Garten versorgt, der Kühlschrank sogar bestens gefüllt - und nun?

So wird – wenn man glücklicherweise gesund ist, aus einem möglichen Urlaubsgefühl, einer Familienidyll, einer Angst und Krankheit schnell auch Überlastung, und sobald so etwas eintritt hilft es sich dem Sog der Unklarheit eine Alternative zu schaffen. Es bereichert sich zu öffnen für etwas Ureigenes, Hoffnungsvolles, zu Erforschendes, was in einem jeden drin ist. Oft unbewusst und fluide, wenig greifbar schwingend vor allem in der wertschätzenden Begegnung spürbar. Denn die eigene Handlung zeigt über die Reaktion des Gegenübers den Wirkungsgrad gelebter Würde.

Was hast du davon über Notstandserlasse, Datentracking, fehlende Atemschutzmasken, fehlerhafte Statistik, Ausgangsverbote, Überwachungstechniken, biometrisches Monitoring etc. zu lamentieren, wenn du eher deine, unsere und die Zukunft deiner Kinder gestalten könntest? Genau aus diesem Grund, lass uns sprechen, uns bereichern, uns über Meinung und Identität konstruktiv hinwegsetzen.

Ich sehe den Würdekompass als ein Beziehungsexperiment, praktisch und die Zukunft im Blick haltend, gemeinsam jedoch über sich hinausgehend diese wachsend gestalten. Denn Wirkung wirkt allein über ein gemeinsames Wirken des immer noch möglichen kleinsten Wirs, was auch während Corona möglich ist. Denn nur wenige haben keine Person mit dem sie persönlich der Würde Raum geben könnten, um nach oder mit Corona darauf aufzubauen.

Abstrakt? Vielleicht, doch ist es nicht ein Versuch wert, um sich in den gegenwärtigen Widrigkeiten selbst wert zu schätzen und Würde auch schon jetzt mit anderen sinnstiftend in die Zukunft „denkend zu fühlen“ und konkret Umsetzung zu planen?

Ich freue mich auf unser Gespräch und die daraus entstehenden Projekte. Herzlich willkommen.

Praktisch bedeutet dies folgendes: Du sendest eine Mail an Michael.Beilmann@wuerdekompass.org, damit wir persönlich über Skype, Zoom, Telefon sprechen können und weitere Menschen einbinden könnten.

Alles Gute, Gesundheit und Klärung.
Michael Beilmann

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