Veranstaltungsreihe „Würde und Gesundheit“ in Berlin
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Martin Dawson

2. Würde und Pflege | 20. April | Christine Schmidt-Statzkowski, Pflegesachverständige

Bericht: Austausch über Skype

Am 27.04. sollte die nächste Veranstaltung unserer Vortragsreihe zu dem großen Thema Würde und Gesundheit stattfinden. Wegen des Kontaktverbot konnten wir uns nicht wie vorgesehen treffen. Frau Schmidt-Statzkowski hatte sich bereit erklärt, uns beim Skype-Treffen unserer Würdekompass-Gruppe in kleiner Runde zu begleiten und uns etwas zum Thema Würde und Pflege – auch unter dem Aspekt der Pandemie – zu erzählen.
In der Pflege gestaltet sich die Einhaltung der Würde des Menschen oft schwierig. Menschen, die wegen Funktions- und Fähigkeitsstörungen pflegebedürftig sind, sind in ihrer Selbstbestimmtheit eingeschränkt. In verschiedenen Gesetzen sind die Rechte von Pflegebedürftigen definiert:

Das Recht auf Privatsphäre und Freiheit

Das Recht auf Akzeptanz und Wertschätzung

Das Recht auf Sicherheit und individuelle Hilfe

Das Recht auf Beratung, Information und Aufklärung

Das Recht auf psychische und physische Unversehrtheit

Das Recht auf Motivation

Das Recht auf Respekt von Kultur und Religion

Schon unter normalen Umständen ist es häufig schwer, die Rechte und damit die Selbstbestimmtheit von Pflegebedürftigen zu wahren. Allein schon die Personalknappheit im Bereich der Pflege erfordern vom Pflegepersonal ein hohes Maß an Motivation und Empathie. In der jetzigen Situation, wo besondere Schutzmaßnahmen für Personal und Patienten notwendig sind, wird es noch mal um einige Stufen schwieriger. Es fehlt an Schutzausrüstung für das Pflegepersonal. Pfleger, die mit Covid-19 infiziert sind, dürfen 14 tage nicht arbeiten und fehlen. Die ohnehin schon herausfordernden Arbeitsbedingungen haben sich noch mal verschlechtert. Dazu kommt, dass auch Menschen in pflegenden Berufen nicht frei von Angst vor Ansteckung und Krankheit sind. Die pflegebedürftigen Menschen sind in ihren Kontaktmöglichkeiten extrem eingeschränkt und können nicht mal ihre engsten Angehörigen treffen. Auch Physio-, Ergotherapeuten und Logopäden dürfen die Pflegeheime im Moment nicht betreten. Das Aussetzen der Therapien führt häufig zu einer Verschlechterung der Motorik, Kognition und der Alltagsfähigkeiten. Es sind verständliche Maßnahme, um das Virus weiter einzudämmen. Doch wie steht es um die Selbstverantwortung und die Selbstbestimmung? Muss das Leben um jeden Preis geschützt werden oder sollten Menschen der Hochrisikogruppen selbst entscheiden, ob sie sich einem erhöhten Risiko aussetzen möchten? Unsere Generation hat in dieser Form noch keine Pandemie erlebt. Sicherlich kann man darüber streiten, ob die getroffenen Maßnahmen sinnvoll sind und wie sinnvoll es ist, unsere Grundrechte einschränken. Eigentlich gibt es darüber nicht zu streiten, sie schränken sie ein! #Was ist aber, wenn die politische Entscheidung in die andere Richtung

Was ist aber, wenn die politische Entscheidung in die andere Richtung gegangen wäre? Jeder macht das, was er für richtig hält, an Maßnahmen und es gibt keine staatlichen Auflagen. Rein theoretisch, wäre dann eine wahnsinnige Todesfolge aufgrund der Pandemie zur Folge, würde jeder Bürger aufschreien - warum hat die Politik das nicht verhindert. Aktuell ist es so, dass wir bisher relatives Glück hatten, in Berlin sind relativ wenig Menschen daran verstorben. Nun wird aber die Einschränkung der Grundrechte hervorgehoben. Ich glaube, das ist eine Situation, wie wir sie einfach noch nie hatten. Vielleicht ist es auch die Hilflosigkeit die zu spüren ist, weil wir nicht wissen, wie es weitergeht. Ich möchte auch betonen, dass wir vielleicht in zehn Jahren über diese Maßnahmen lachen, weil ein Medikament dagegen gefunden worden ist. Wir leisten uns aktuell den Luxus, sicherlich in Anbetracht der Würde jedes Einzelnen, als Gesellschaft zu entscheiden, dass wir die Alten und Kranken schützen wollen. Das bedeutet aber auch, dass damit die Grundrechte aller deutlich eingeschränkt sind. Pflege und Würde, ist leider derzeit auch ohne Covid19 nicht mehr lebbar. Solange ein Unternehmen im Bereich der Pflege wirtschaftlich agieren muss, werden die Personalkosten so gering wie möglich gehalten und dementsprechend weniger Personal eingestellt. Eine Pflegekraft kann in einem Pflegeheim in der Nacht nicht 146 Menschen versorgen. Darüber gibt es nichts zu diskutieren.Weiterhin würdelos ist es, dass genau diese Systemrelevanten Berufe, so ganz nebenbei Frauenberufe überwiegend, so deutlich wenig verdienen. Es genügt nicht, dass die Bürger auf die Balkone heraustreten und klatschen. Es ist erforderlich, dass es anerkannt wird das wir aus dem Niedriglohnbereich hinauskommen, und Pflege eine sehr wichtige soziale Interaktion bedeutet.

Für alle Menschen - weil irgendwann alle Menschen darauf angewiesen sein werden!

1. Würde und Gesundheit

Mit einem Impulsvortrag von Dr. Udo Baer starten wir am 24. Februar 2020 um 19:00 Uhr unsere Vortragsreihe Würde und Gesundheit. Gabriele Frick-Baer und Dr. Udo Baer beleuchten in ihrem Buch Deine Würde entscheidet, welche Folgen Würdeverletzungen aus psychotherapeutischer Sicht haben können. In ihrem Buch geben sie Anregungen, wie diesen Verletzungen begegnet werden kann. Aus unserer Sicht ist dieses Buch eine wunderbare Ergänzung zum Buch Würde von Gerald Hüther.

Ort: Abgeordnetenbüro Buchner, Ebelingstr. 8, 10249 Berlin
Anmeldung: info@mediatorin.me

Weitere Veranstaltungen haben wir geplant. Die Einladungen dazu werden rechtzeitig vor den Terminen hier bekannt gegeben.

  • Würde und innere und äußere Bewegung | 8. Juni | Sandra Müller, Personal Trainerin und Logopädin; Klaus Hinz, Sportausbilder, 6. Dan Judo
  • Würde und ganzheitliche Medizin | 26. Oktober | Jutta Laurentius, Homöopathin
  • Würde und Hierarchie | NN
  • Würde und Umgang mit eigenen Bedürfnissen | NN
  • Würde und ambulante Medizin | 30. März (Termin wird nachgeholt)| Christoph Laurentius, Arzt und Homöopath

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